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Happy-Children – Verein gegen Kindersklaverei in Nepal

Um ins Rampenlicht zu treten, müssen wir darauf vertrauen, dass das Licht existiert.

Als Gründerin und Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Happy-Children e.V. setzt Gabi Laszinger sich mit ganzem Herzen für Straßenkinder und Kindersklaven in Nepal ein, um sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes und freies Leben zu unterstützen und begleiten. 

Gerade als die Raupe dachte, dass die Welt vorbei sei, wurde sie zu einem Schmetterling 

Ich war immer schon von Schmetterlingen fasziniert. In erster Linie von deren Transformation, von einer wollartigen Erdkreatur zu einem Himmelswesen mit exquisit zarter Skelettstruktur und traumhaften Flügeln zu werden, egal von wo sie auf diesem Planeten ihr Leben begonnen haben. Abgesehen von ihrer Schönheit und Fähigkeit sich zu verändern, ist es ihre Stärke die ich wirklich bewundere. Wenn ich sie beobachte wie sie über die Blumen flattern, ist es für mich ein wahres Wunder der Schöpfung. Diese scheinbar zerbrechliche Schönheit ensteht aber nur durch einen schmerzhaften Transformationsprozess, der sich aus dem empfindlichen Gleichgewicht zwischen großer Ausdauer und vollständiger Hingabe zusammen setzt.
Ich habe einmal einen Essay des berühmten brasilianischen Autors Paul Coelho über einen Mann gelesen, der einen Schmetterling beobachtete, als dieser darum kämpfte, seinen Kokon zu verlassen. Ich weiß nicht, ob du es jemals beobachtet hast, wenn ein Schmetterling seinen Kokon verlässt; es ist ein qualvoller Anblick. Der Schmetterling arbeitet und arbeitet daran, ein winziges Loch groß genug zu machen, damit er durchschlüpfen kann - dieser Prozess ist die reine Tortur. Coelho beschrieb, wie der Mann diesen Prozess miterlebte, als der Schmetterling vor Erschöpfung im Kokon zusammen zu brechen schien. Als er versuchte, dem Schmetterling zu helfen, indem er den Kokon mit einer Schere öffnete, fiel der erschöpfte Schmetterling mit seinem kleinen Körper und zerknitterten Flügeln aus dem Kokon. Der Mann sah hilflos zu in der Hoffnung, dass der Schmetterling wegfliegen und frei sein würde. Stattdessen verbrachte dieser den Rest seines kurzen Lebens auf dem Boden, wo er seinen zerknitterten Körper nur sehr mühsam bewegen konnte. Paul Cohelo fasste diese Erkenntnis so zusammen: „Was der Mensch - aus Freundlichkeit und seinen Eifer zu helfen - nicht verstand ist, dass die Anstrengung die der Schmetterling machen muss, um durch das winzige Loch aus seinem Kokon herauszukommen, die Trainingsmethode der Natur ist, die dem Schmetterling hilft, seine Flügel zu stärken.“

Der  Weg der  Natur
Der Prozess, das Schicksal von Straßenkindern und Kindersklaven in Nepal mitzuerleben und ihnen helfen zu wollen, aus ihrer Knechtschaft auszubrechen, ist nicht weniger schwer. Und wie die Verwandlung eines Schmetterlings -ist es nicht schön, bis sie vollständig ist. Ich arbeite für Happy Children e.V., wo ich die Ärmsten der armen Kinder ohne jegliche Chance betreue, und dabei das Glück habe, jeden Tag aufs neue Zeuge davon zu werden, wie sie ihr Leben verwandeln. Nicht nur hungrige Bäuche werden hier gefüllt und es geht noch nicht einmal hauptsächlich um Bildung, um lesen und schreiben zu lernen, sondern darum die Lebensleiter hochzusteigen als Mensch mit Verstand und einem großen Herzen. Eine Chance zu bekommen bedeutet hier nicht allein entweder einen Handwerksberuf zu erlernen oder gar studieren zu können. Nicht die Chance in Berlin oder Harvard studieren zu können, sondern als „Untouchables“ – Unberührbare mit leeren Blicken die man nicht anfassen darf, aufgestiegen zu sein und zu Ärzten, Psychologen oder Lehrern mit einem ansteckenden Lachen Bahnbrecher ihrer Generation zu werden.
Kindersklaverei hat nichts Romantisches an sich. Es ist nicht schön. Man kann auch nicht sagen, dass die Menschen glücklicher in ihren zerfallenen Bambushütten wären, als die meisten von uns in unserem Wohlstand. Die meisten Menschen wollen daher am Liebsten wegschauen. Mir ging es damals nicht anders, als ich vor fast 20 Jahren nichts damit am Hut hatte. Wie vielleicht viele auch, war ich zu sehr mit meiner Karriere und beruflichem Ehrgeiz beschäftigt, um Lebensantworten in einem gut gedeckten Bankkonto und anderen Erfolgsmaßstäben zu finden – alles im Grunde nur vergängliche Dinge. Du kennst sie sicher auch, die hier-heute-und-morgen Dinge des Lebens. Um jedem Missverständnis vorzubeugen: Ich wurde nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Man könnte sagen, dass ich mich genauso verwandelt habe, wie dieser Schmetterling: aus völliger Armut in Jugoslawien zum besseren Leben als Gastarbeiterkind in Deutschland. Aber wie ich durchs Leben flatterte, war mir nicht klar, dass mir die schwierigen Kämpfe des Lebens einen blinden Fleck beschert hatten. Ich hatte unermüdlich und unbeirrbar darum gekämpft, meinen Kokon von Armut und Ausgrenzung hinter mir zu lassen. Ich musste mich aus meinem Gefängnis der Vorurteile befreien. Um freizukommen, hatte ich mein Fluchtloch ein wenig vergrößert, indem ich auf die sprichwörtliche Leiter stieg und alles dafür getan habe, um nach oben zu kommen.  Zu dieser Zeit war ich fest davon überzeugt, dass Reichtum und Erfolg mir Sicherheit und Glück bringen würden. 

Kannst Du Dir einen unglücklichen Schmetterling vorstellen?
Das war ich. Ich hatte alles, was ich brauchte und mir wünschte, und doch war ich nicht glücklich. Es fehlte etwas: meine Seele. Als Coach und Trainer hatte ich einen ansehnlichen Kundenstamm. Ich verdiente mehr als genug, um mir ein schönes Zuhause und finanzielle Sicherheit zu erfüllen. Aber was nützte der materielle Erfolg, wenn er nicht im Einklang mit deiner Lebensaufgabe steht? Heute weiß ich, dass darunter nicht nur berufliche Ambitionen zu verstehen sind, sondern mein gesamtes Leben in Einklang mit meinem Lebenssinn und Werten gebracht werden musste. Wenn du außerhalb deiner inneren Werte lebst, kannst du nicht glücklich werden.
Harte Arbeit ist zwar bewundernswert und eine Notwendigkeit, um zu überleben. Wenn ich aber erklären müsste, was damals mit mir los war, würde ich sagen, dass der Schalter für Arbeit, Perfektion und Erfolg in mir auf „ON“ steckengeblieben war.  

Wie der Schmetterling in unserer Geschichte war mein Weg zur Veränderung ein harter.Der Schlüssel zu meiner Transformationen lag darin, inmitten von Unsicherheit zu vertrauen, Stärke entwickeln zu könnenals ich am schwächsten war, und zu lieben, wenn anderemir keinen Grund dazu gaben. 

Ich begann darüber nachzudenken, wie ich aus dieser Leere herausfinden könnte. Ich fragte mich, was ich tun würde, wenn ich unbegrenzte Ressourcen und die Gelegenheit hätte, sie wenigstens für kurze Zeit zu nutzen. Wenn Leistung nicht mehr funktionierte, was würde mich dann motivieren?  

Die Lösung ließ auf sich warten
Dann, als ich mich aufmachte, um mich und meine Identität irgendwo weit weg wieder zu finden und vor 20 Jahren im Himalaya in Nepal landete, begann ich zu verstehen, dass ich lernen musste, zunächst nur mir selbst auf der Suche nach meinem Weg zuzuhören. So beschloss ich, den Geschichten weiser Lehrer in Indien und Nepal zu lauschen, um dem Geheimnis des Lebens wenigstens ein Stück weit näher zu kommen. Als ich meine Glieder zwischen Lotussitz, tiefer Meditation und asketischen Verrenkungen, kaum mehr spürte, hörte sich mein interner Dialog etwa so an: Wer bin ich? Was tue ich? Bin ich wichtig? Ich war sicherlich schon weit gekommen im Leben, aber fühlte mich dort am Ende der Welt immer noch verloren. War dies Undankbarkeit oder was anderes? Antworten hatte ich immer noch keine. Nichts, was ich versuchte, füllte die Leere in mir, einschließlich der Schamanenbeschwörungen, Beten mit heiligen Männern oder Mantras auf Berggipfeln mit Mönchen in Safranroben. Vergiss Nirvana! Ich fühlte mich danach nicht einmal stark, ganz geschweige denn gut oder nützlich. Irgendwie machte es die Leere noch schlimmer. Wenn ich das Gefühl beschreiben könnte, das ich damals hatte, als ich mitten in meinem sonst so normalen Leben auf den Gipfeln des Himalayas einen Tiefpunkt erreichte, fühlte ich mich wie ein ausgewrungenes nasses Handtuch, das keinen Tropfen Wasser mehr hergab. In diesem Moment wurde mir klar, dass mir selbst das Bewusstsein fehlte, das ich in anderen Menschen vorher gefördert hatte. Ich hatte mein Gleichgewicht verloren und war blind wie ein Maulwurf. Ich wusste, dass ich nichts wusste. Als ich am Rande der heiligen Verbrennungsgstätte mit all den unheimlich bemalten Yogis, nackt und von Kopf bis Fuß in weißer Asche, inmitten der Vergänglichkeit des Lebens in die Knie ging, wurde mir klar, dass ich mich aus meinem selbst gesponnenen Kokon, dem selbstgebastelten Gefängnis aus Stolz und Schmerz, befreien musste. Und dann, als ich in Kathmandu herum lief, kurz bevor ich aufgeben wollte und einfach zurückfliegen wollte, verirrte ich mich. Nein, mehr noch: ich war wirklich verloren. Das Labyrinth der engen Gassen, aus denen die Stadt besteht, wandte sich plan- und endlos durch Tempel und Märkte. So verloren zu sein, stank mir, aber das war nichts gegen Dreck, Müll und dem Gestank des heiligen Flusses neben mir. Voller Frust und Enttäuschung dachte ich, wie um Himmels willen können Menschen hier leben? Wie kann Erleuchtung im Gestank eines solchen Drecks jemals stattfinden?
Viele hungrige Kinder umschwärmten mich mit bettelnden Blicken und zupften an mir herum. In dem Chaos fielen meine Augen aber nur auf drei Kinder. Irgendwie waren sie anders. Voller Dreck, nur in Lumpen gekleidet, saßen sie apathisch auf dem glühend heißen Betonboden. Ihre kleinen Köpfchen waren mit Wunden übersät, auf denen Fliegen und Läuse krabbelten. Es war ein magischer Moment. Ich wurde plötzlich lebendig wie noch nie, als ich in die Augen dieser drei kleinen Jungen blickte – der schüchterne 7-jährige Ashik, sein schwacher und scheuer 5-jähriger Bruder Ashok und das kleine Baby Abinash, das auf dem Boden auf einem Stück Lumpen schlief. 

Ihre Blicke erleuchteten mich
Ich war bis in alle Glieder geschockt. Die Tränen schossen mir in die Augen. Worum ging es hier? Was konnte ich tun? Mein Herz war schwer. Hilflos gab ich ihnen mein Wasser zu trinken und kaufte ihnen auf die Schnelle einen Hamburger zu essen. Ich werde nie den Blick in ihren Augen vergessen, als sie dieses ungewöhnliche runde Essen anstarrten. Sie wussten nicht, was ein Hamburger war. Natürlich – wie auch? Ich war wie der Mann mit der Schere –ich hatte keine Ahnung. Das war der Beginn meiner eigenen Rettung, indem ich diese drei Jungen rettete. Ich war endlich aus meinem Kokon ausgebrochen und fühlte die Kraft der Transformation. Ich hatte die Chance, etwas in der Welt um mich herum zu verändern– ich, die Verlorene.  Ich war ein Schmetterling gewesen, der seine Stärke nie erkannt hatte: nicht bevor ich es fast aufgegeben hatte. Du kannst ein Fahrrad nicht mit platten Reifen fahren. Und du kannst einem Schmetterling nicht helfen, seinem Kokon zu entkommen. Jeder muss das für sich selbst tun. Ich habe mein Leben ab diesem Tag an der Aufgabe gewidmet, dafür zu sorgen, dass die Schmetterlinge in meiner Obhut in Freiheit und Freude schlüpfen und fröhlich davon fliegen können. Ich habe es nie bereit, mein Leben von einer Sekunde auf die andere geändert und alles aufgegeben zu haben.
Um in meine Stärke hineinzuwachsen, musste ich diese erst erkennen. Um diese zu erkennen, musste ich aus der Komfortzone heraus. Um etwas zu verändern, musste ich die Idee aufgeben, dass ich alle Antworten hatte oder vorher ein gewisses Maß an Erleuchtung erreichen musste. Eins ist sicher: Jeder von uns hat die unglaubliche Kraft, Veränderungen für sich und andere mit kleinen Taten zu bewirken, wer immer wir sind, egal wo, jede Minute, jeden Tag.  

Das war mein Wendepunkt. Was wird deiner sein?  Wirst du dich befreien oder erwartest du, dass dich jemand befreit? 

Um ins Rampenlicht zu treten, müssen wir darauf vertrauen, dass das Licht existiert. Wir brauchen die Kraft, um durchzuhalten bis wir es erreichen, selbst in der Dunkelheit des Kokons. Die von mir gegründete und als mildtätig anerkannte Organisation Happy Children in Nepal begann vor fast 2 Jahrzehnten mit 3 kleinen Jungen. Heute unterstützt sie über 200 Kinder und viele junge Mütter aus Kinderehen. Diese Menschen  haben durch den Glauben an sie eine nie gekannte Wandlung erlebt. Unseren einheimischen Mitarbeitern, die meist nie lesen und schreiben gelernt haben, helfen wir, indem wir sie in ihren eigenen Fähigkeiten bestärken. So können sie wieder an sich glauben, um zu den einzigartigen und wertvollen Persönlichkeiten zu werden, die sie sind. Dies ist die wichtigste Transformation, die ich bei Happy Children jeden Tag erlebe. Täglich nehmen wir an der großen Transformation von allen teil, indem wir buchstäblich Leben retten.  

Du hast die Kraft, die Welt heute und jeden Tag zu verändern.  Denk nicht sonst was dafür tun zu müssen, dir mehr Wissen aneignen zu müssen oder jemand anderes zu sein als du schon jetzt bist, um Wandel herbeizuführen. 

Ich glaube, meine Großmutter hat es am besten gesagt, als ich sie gefragt habe, warum sie ihre Suppe den Bettlern auf der Straße gegeben hat, als das alles war was sie in dieser Nacht zum Abendessen hatte. Sie lächelte und sagte: „Das Leben bedeutet nichts, wenn Du es nicht zum Wohle anderer lebst“.
Sei wie der Schmetterling. Fang in Einfachheit an. Stärke deinen kleinen Körper und deine zerknitterten Flügel. Dann brich aus deinem Kokon aus und fliege in deinen schönen Garten. Die Natur will es so.

 

 

Mehr Informationen zu Gabi Laszinger und ihrem Projekt Happy-Children e.V. finden Sie unter:
https://www.happy-children.de/

https://gabriella-laszinger.de/ 

 

ADRESSE HAPPY CHILDREN NEWSLETTER
Happy Children e.V.
Bergstr.20 D
79787 Lauchringen
Tel. +49 7741 807970
E-Mail: verein@happy-children.de 


Anmerkung der Redaktion:

Die Redaktion unterstützt das Herzensprojekt von Gabi Laszinger – deshalb darf gerne mit dem Stichwort „Transformation“ gespendet werden:


SPENDENKONTO:

Deutschland:
Happy Children – Hilfe für Nepals Kinder e.V.
Volksbank Hochrhein
IBAN: DE50 6849 2200 0001 069020
BIC: GENODE61WT1 ​ 

Schweiz:
Happy Children e.V.
Neue Aargauer Bank
5201 Brugg
Konto: 0883-1583815-50
Bank: Clearing Nummer 5881
IBAN: CH90 0588 1158 3815 5000 0
BIC: AHHBCH22XXX 

 

 

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